Wir schreiben das Jahr 1985.

Elvis und Jimi Hendrix sind tot, Hammond hat gerade Sendepause, im Radio sind nur Synth-Klänge von Depeche Mode zu hören und unseren beiden Helden Thommy Guitar und Jens Purple Light ist auch schon ganz schlecht. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen ist nah und um dem Tod nochmal von der Schippe zu springen, schließen die beiden Vollblutkrachmacher einen Pakt mit dem Sensenmann, mit folgendem Inhalt:

§ 1 Sie gründen eine Band, laut, dreckig und unzivilisiert, die jedem ehrenwerten Bürger das Blut in den Adern gefrieren lässt und spielen so Gevatter Tod einige herzinfarktgefährdete Schäfchen zu.

§ 2 Im Gegenzug verpflichtet sich der alte Mann, unsere beiden Geräuschvirtuosen so lange zu verschonen, bis ihnen die Ideen ausgehen und die Kapelle sich auflöst.

Nachdem die getroffene Vereinbarung mit Blut besiegelt ist, besaufen sich die drei noch zünftig und als der letzte Kasten Jever geleert ist, verabschiedet sich das Väterchen, steigt auf seine Harley und tritt den Heimweg in die Hölle an.

Direkt am nächsten Morgen legen Thommy und Jens los, suchen sich einige Mucker zusammen und beginnen mit den Proben. Da das Kind auch einen Namen haben muß, wird sich kurzerhand auf TERZ geeinigt und schon Mitte des Jahres tritt die Formation mit eigenen Kompositionen ihren Siegeszug durch norddeutsche Lifeclubs an.

In den nächsten Jahren wechseln Bandmitglieder und -namen, aber das tut der Sache keinen Abbruch, schließlich hat man eine Mission und einen Pakt zu erfüllen.

Schlagzeuger, Sänger und Bassisten werden verschlissen bis eines Tages der eigentlich freundliche und arglose Mike Trommelfell im Raum steht und die Nachfolge des vergraulten Drummers antritt.

So nett der liebe Mike auch tut, er haut dermaßen auf die Trommeln, daß man sich in der Band sicher ist: Das ist genau der richtige Kandidat für eine Teufelsaustreibung.

Mike spielt das Spiel mit, ist mittlerweile seit über zehn Jahren in der Band, wobei er seiner Frau noch immer weismacht, er sei einmal die Woche mit zwei alten Schulkameraden beim Bau einer Modelleisenbahn (riesigen Ausmaßes).

Mit Hardy-lass-mich-an´-Bass verhält es sich etwas anders. Er schraubt schon so lange am unverbesserlichen Lifesound der Kapelle, daß er als der Bassist nicht vom Zigaretten holen wiederkommt, sofort mit dem Instrument bewaffnet die Bühne erobert, in dem Glauben, am Mischpult vor der Band sein Gehör zu verlieren, sei die Sache irgendwie auch nicht wert. Zumal es am Sound nicht wirklich etwas ändert, ob da einer an den Knöppken dreht oder nicht. Er soll Recht behalten.

So geht die Zeit ins Land bis plötzlich 2005 der Sänger die Flinte ins Korn wirft und unsere infernalischen Ohrenplagen, die inzwischen unter dem Namen FLASHBACK Angst und Schrecken verbreiten, stehen ohne Frontmann da.

Dieses Mal ist es wie verhext und es findet sich auf die Schnelle niemand Neues. Die Suche soll sich über zwei Jahre erstrecken.

In ihrer Verzweiflung reist eine Abordnung der Band sogar in die USA, um sich an einer gewissen Kreuzung mit Satan zu treffen (der immer den Anrufbeantworter laufen hat und nie zurückruft) in der Hoffnung, man könne den alten Vertrag geringfügig ändern und fortan irgendwie anders büßen (zum Beispiel George Bush die Schuhe putzen oder Künstlerbegleitung bei Andrea Berg machen).

Aber der alte Teufel bleibt stur: entweder die versprochene eigene Band oder ab in die Hölle in ein Mehrbettzimmer mit Modern Talking.

Zurück in Germany wird nochmal etwas Hochdruck in die Sängersuche gebracht, aber keiner der avisierten Kandidaten passt allen ins Konzept.

Eines ungemütlichen Winterabends steht Inke Kreischmeyer-Feueralarm im Übungsraum und schwört Stein und Bein schon seit dem späten 16. Jahrhundert im Singegewerbe tätig zu sein und überhaupt voll und ganz den gewünschten Zweck zu erfüllen. Die vier Jungs haben nichts zu verlieren und lassen sie vorsingen. Es ist so schrecklich wie erwartet. Sie wollen die impertinente Aufschneiderin schon zum Teufel jagen.......

In dieser Nacht hat Mike einen Traum:

Er hat Inke soeben dem Sensenmann überantwortet, die kaum in der Hölle angekommen nichts besseres zu tun hat, als die Sache mit der Modelleisenbahn zu petzen. Klar, daß der alte Pferdefuß sofort alles brühwarm Mikes Frau erzählt. Oh Mann, gegen das, was jetzt kommt ist die Hölle ein lauwarmes Babybad.

Wie auch immer, gleich am nächsten Morgen ruft Mike Inke an und sagt ihr, daß er alles tun werde, damit sich der Rest der Band für sie entscheidet. Der „Gesang“ und ihre schüchterne Art würden wirklich perfekt zu FLASHBACK passen.

Die Jungs können sich Mikes einleuchtenden Argumenten nicht verschließen und so ist die Band jetzt wieder komplett.

Das denken zumindest die naiven Musiker. Doch sie ahnen noch nichts von den Ausmaßen dieser folgenschweren Entscheidung. Denn kurz nach ihrem Einstand zerrt die neue Sängerin eines Abends etwas Sonderbares an der Leine in den Übungsraum. Wie Frauen so sind, hat sie sich aus dem Tierheim einen ausgesetzten Saxophonisten besorgt. Sie sagt: „Keine Angst, der tut nichts, der will nur spielen.“

Einer Lady schlägt man nichts ab und da das Druckmittel mit der Modelleisenbahn durchaus als schlagendes Argument zu werten ist, verfügt FLASHBACK seitdem auch noch über Christian Hupschreck und sein wunderbar lautes blechernes Saxophon.

Längst vergreift sich die Formation außer an den Eigenkompositionen auch an Fremdmaterial wehrloser Komponisten und passt musikalisch nicht mehr in ihre gemietete Schublade. Vielmehr strebt FLASHBACK nun endgültig die Weltherrschaft an.

Und wir wissen genau:
Auch DU wirst nicht an uns vorbeikommen. Wir kriegen Dich und danach willst Du uns immer wieder.........................